Arequipa, Ica & Paracas – Vulkane, Wüste & Meer

Von Cusco brachen wir auf gen Norden. Wir brachen auf, in unserer Perureise noch einmal alle Highlights zu vereinen, alle Naturspektakel der letzten neun Monate kurz wieder aufleben zu lassen. Die Route führte uns aus den Bergen der Anden zwischen gigantische Eisvulkane, durch die heiße Wüste bis an die raue See. Hier in Peru kommt alles noch einmal zusammen, ganz zum Schluss. 

Arequipa

Wieder kommen wir mit dem Nachtbus früh morgens an. Diesmal ist es zumindest schon halb sieben, als wir durch die ersten Straßen Arequipas rollen. Es ist die Stadt, die die schönste Perus genannt wird. Als wir aus dem Fenster schauen, ragen hinter den Häuserdächern die großen Vulkane auf. Am imposantesten der Mount Misti, der für sich allein wie ein perfektes Dreieck steht und einen großen Eisgletscher auf dem Gipfel trägt. Doch insgesamt sind es drei Vulkane, die Arequipa umgeben und die Stadt damit bereits in eine unvergleichliche Kulisse rahmen.

Heute versuchen wir unser Glück direkt im Hostel, ohne lange am Busbahnhof zu warten. Was soll’s, vielleicht haben wir um sieben Uhr Glück. Und tatsächlich werden wir von einer jungen Frau freundlich begrüßt, können unsere Sachen abstellen und sie zeigt uns auf einer Karte, wo wir frühstücken können. Also, los geht’s, der weißen Stadt beim Erwachen zuschauen. Arequipa wird zu Recht so genannt, die meisten der Gebäude in der Innenstadt, durch die wir jetzt laufen, sind aus weißem Vulkangestein gebaut. Besonders beeindruckend ist die große weiße Kirche, die am Plaza de Armas in den Himmel ragt.

„Jetzt könnten wir auch direkt in Madrid sein!“, staunt Jan als wir auf dem Platz stehen, der ringsum von weißen Säulen und schicken Cafés umrandet ist. Tatsächlich ist die Präsenz der spanischen Einflüsse ziemlich eindeutig, stellen wir fest, als wir mit ein paar Mandarinen auf einer Bank sitzen und beobachten wie das Gewusel ganz langsam beginnt. Die Sonne scheint und im Gegensatz zu den letzten Wochen wird uns richtig warm, am Nachmittag sind wir in kurzen Hosen unterwegs. Arequipa liegt nur noch auf 2.400 Höhenmetern und ist damit seit langem der niedrigste Ort, an dem wir sind – die Daunenjacken werden weggepackt!

Wir schlendern durch die schöne, weiße Stadt, durch die alten Gassen und zwischen den hellen Gebäuden umher. Wir besuchen auch hier den lokalen Markt, decken uns mit viel frischem Obst ein und essen verdammt leckere Andenkartoffeln – unglaublich, wie viele verschiedene Kartoffelarten es hier gibt! Im Hintergrund erheben sich stets die Riesen mit den weißen Zipfelmützen und an unserem letzten Morgen in Arequipa machen wir einen weiten Spaziergang, laufen zum höchsten Punkt aus der Stadt hinaus und schauen uns die Landschaft noch einmal aus einer anderen Perspektive an.

Wenn Arequipa eines ist, dann schön. Hier lassen wir einfach die Seele baumeln, genießen die Ästhetik der weißen Stadt und ihrer Kulisse. Und wir fühlen uns ein wenig zurückversetzt, in eine Zeit damals in Indonesien, als wir den Vulkanen zum ersten Mal nah kamen.

Ica/ Huacachina

Es ist die längste Busfahrt, die wir bisher auf unserer Reise gemacht haben. Nach zwölf Stunden im Schlafbus erreichen wir Ica, eine kleine Stadt nah an der westlichen Küste des Landes – und: mitten in der Wüste. Ja, Peru hat eine Wüste. Eine ziemlich schöne sogar, die von hier bis an den Pazifik reicht. Das Busterminal ist nur ein kleiner Hinterhof, in dem wir aussteigen. Mit dem Taxi geht es von hier direkt nach Huacachina, denn dort spielt sich das touristische Leben Icas ab. Der Ort liegt in einer Oase inmitten der Wüste, ein See um den im Kreis Hotels und Hostels gebaut sind. Und rings um diese wiederum erheben sich die hohen Sanddünen, die im Morgenlicht golden leuchten.

Wir müssen ewig warten, bis wir in unser Zimmer können. Check-In erst ab 15 Uhr, das hatten wir noch nie. Aber wir nutzen die Zeit, um uns umzuschauen. Als wir oben in den Dünen stehen und in die Weite der Wüste blicken, brennt die Sonne seit langem mal wieder so richtig auf unserer Haut. Erst abends, als wir zum Sonnenuntergang auf dem Grat der höchsten Düne sitzen und dem rotgoldenen Licht über der Wüste dabei zusehen, wie es immer dunkler wird, wird es richtig frisch. Der Wind pfeift durch unsere Haare und als die Sonne verschwunden ist, laufen wir um die Wette durch den Sand hinunter in die grüne Oase.

Was für ein traumhafter Ort! Noch nie waren wir in einer Wüstenoase, noch nie haben wir direkt unter so hohen Dünen geschlafen. Aber es kommen die Erinnerungen zutage, an die erste Wüste, in die wir vor Monaten in Namibia unsere Füße gesetzt haben. Doch Huacachina existiert eben auch vor allem für den Tourismus und eine Nacht hier hat seinen Preis. Wir entscheiden, nach Ica umzuziehen.

Ica_City

Ica ist im Gegensatz zum letzten Tag so gar nicht vom Tourismus geprägt. Das ist einerseits schön und wirklich spannend. Hier, abgelegen vom bunten Treiben, entdecken wir ganz authentisches peruanisches Leben. Das für uns allerdings auch seine Herausforderungen bereithält. Denn im peruanischen Leben ist noch nicht viel Platz für vegetarisches Essen. Nachdem wir alle Restaurants unseres kleinen Viertels abgeklappert haben, und niemand uns etwas fleischloses anbieten kann, stoßen wir zumindest auf einen kleinen Markt. Denn auch Supermärkte braucht in Peru niemand, das wissen wir bereits. Wir decken uns mit Gemüse, Eiern und Nudeln ein und kochen eben selbst. Der Kontrast zum wenige Kilometer entfernten Huacachina könnte größer nicht sein. Doch die Freude der Leute, wenn wir hier durch die Straßen laufen, die Neugier und das lächelnde Grüßen, könnten auch schöner nicht sein. Es ist nicht so, dass wir uns hier wohler fühlen, klar, Tourismusgebiete sind deutlich bequemer. Aber hier zu sein birgt wieder Faszination, Abenteuer und Neugier.

Paracas

Diesmal fahren wir nicht im Nachtbus, denn die Fahrt dauert nur zwei Stunden. Stattdessen steigen wir morgens um neun in Ica ein und erreichen um elf Uhr Paracas. Die Fahrt geht durch die karge und trockene Wüste, hier und da stehen ein paar Häuser, kleine Siedlungen aber sonst ist hier nicht viel Leben. Paracas liegt direkt am Meer, das kleine Fischerdorf ist Ausgangspunkt für Touren zu den Islas de Ballestas und in den Nationalpark ganz in der Nähe. Früher gingen die Aktivitäten von Pisco aus, früher war in der größeren Nachbarstadt das Zentrum für Besucher. Doch seit einem sehr schweren Erdbeben im Jahr 2007, das sich an der Küste Perus ereignete, ist das anders. Die Naturkatastrophe hat Pisco damals zu 80 Prozent zerstört und allein dort mehr als zweihundert Todesopfer gefordert. 85.000 zerstörte Häuser ließen nicht mehr an Tourismus denken und die Aufgaben wurden an das kleine Fischerdorf Paracas abgegeben. Zwar war die ganze Region betroffen, auch Paracas und Ica, doch Pisco traf es besonders hart. Und so kommt es, dass wir nun heute hier aus dem Bus steigen, um drei Ecken laufen und in unserem Hostel einchecken. Dass wir um dieselben drei Ecken zurücklaufen und direkt am Bootsanleger stehen.

„Wollen wir einfach mal nachfragen, wann wir die Tour machen könnten und was es kostet?“, wir stehen vor einem Infopoint direkt an der Hafenpromenade und überlegen, wie wir die nächsten Stunden verbringen. Und bevor wir uns versehen, sitzen wir auch schon im Boot. Denn genau jetzt startet die letzte Tour für heute, zu den Islas de Ballestas, den kleinen Inseln vor der Küste. Wir zögern nicht lange und steigen ein. Anfangs ist die Bootsfahrt entspannt, es ist zwar kalt und windig aber wir schippern voll besetzt mit dem Motorboot parallel zur Bucht. Doch als wir deren Schutz verlassen und auf den offenen Pazifik zusteuern, beginnen wir ordentlich zu hüpfen. Jan und ich sitzen genau am Anfang des letzten Drittels des Bootes – genau da, wo die Gischt uns regelmäßig das Wasser ins Gesicht klatscht. Aber die Fahrt macht Spaß! Man kann vom blauen Meer auf die goldenen Sanddünen blicken und als die felsigen Inseln sich aus dem Wasser erheben, machen sie das Bild perfekt.

Und bereits nach den ersten Minuten, die wir um die Inseln steuern, sehen wir die Tiere, wegen derer wir eigentlich nur diese Bootstour machen. „Da! Pinguine!“, quietscht es aus mir heraus. Um genau zu sein sind es Humboldt-Pinguine. Die kleinen Vögel im Anzug watscheln an den unwegsamen Felsen hoch und runter und es ist ein Riesenspaß ihnen zuzusehen! Ein paar Minuten später taucht ein Seelöwe neben uns auf, guckt mit großen Augen und tritt schnell den Rückzug an. Doch hier und da sehen wir auch noch ein paar seiner Artgenossen auf den Felsen liegen.

An und auf den hohen Steinen sitzen unfassbar viele Vögel, und mindestens genauso viele fliegen darüber herum. Ich verstehe nur ab und zu etwas, wenn der Guide durch das Mikrofon ein paar Englische Wörter fallen lässt, aber die spanischen Namen sagen mir nicht allzu viel. Doch so oder so ist es ein wahres Spektakel, das sich hier draußen im Wasser ereignet. Hier, wo die Tiere sich versammeln. Es erinnert uns ein wenig an damals, als wir vor dem Festland Sri Lankas die Wale und Delfine an dem Ort besuchen durften, an dem sie leben, was sich für uns wie pure Magie anfühlte.

Paracas_Pelikan

Wieder zurück am Festland taumeln wir vom Boot. Die Rückfahrt war noch deutlich wilder als der erste Weg und wir sind nass, zerzaust, aber glücklich. Mit einem großen Loch im Bauch machen wir uns auf die Suche nach etwas zu Essen – die uns nach wie vor schwer fällt. Denn auch hier haben wir nur die Wahl zwischen günstigem lokalem Essen inklusive Hühnchen oder Schwein – oder Touristenmenüs für zehn Euro. So schwierig ist es uns in neun Monaten noch nicht vorgekommen, einfaches und günstiges vegetarisches Essen zu bekommen.

Der Nachmittag ist schon angebrochen, als wir an der Agentur vorbeilaufen, vor deren Türen die Wüstenbuggys aufgereiht stehen. Spontan fragen wir, ob man mit so einem Gerät in den Nationalpark fahren kann und was das kostet. Klar, aber wenn dann jetzt, antwortet man uns. Was soll’s, heute wird spontan gebucht! Wir bekommen einen Zweisitzer, Helme, Schutzbrillen und einen Guide, dem wir einfach hinterherfahren sollen. Alles klar. Und los geht’s in den Nationalpark. Als Jan den Buggy startet habe ich den starken Reflex, mir die Ohren zuzuhalten, so laut ist der Motor. Wir düsen, gefühlt fast auf dem Boden sitzend, neben der Straße hinter unserem Guide auf dem Quad her und kriegen uns kaum ein vor Lachen. Es ist ein unglaublicher Spaß und ganz nebenbei sehen wir auch noch ziemlich witzig aus. Das einzige, was nicht witzig ist, ist wie kalt es ist – immerhin haben wir immer noch unsere kurzen Hosen an – und wie der Sand uns ins Gesicht peitscht. Ich bedanke mich innerlich für die Schutzbrille, auch wenn meine Augen trotzdem schon voll Sand sind. Wir fahren in den Nationalpark, durch die peruanische Wüste, an eine Steilküste, zum roten Strand, und die ganze Zeit durch diese wahnsinnig schöne Kulisse der Wüste, die direkt ins Meer läuft. Zwischendurch tauschen wir und auch ich fahre das erste Mal in meinem Leben einen Wüstenbuggy – fühlt sich ein bisschen an wie Kettcar fahren, nur cooler, weil über die Dünen gebrettert wird. Wir haben den Spaß unseres Lebens! Und als wir nach zwei Stunden den Buggy wieder abstellen, ein leichtes Brummen in den Ohren und Salz und Sand überall kleben haben, sind wir erfüllt mit herrlicher Albernheit – und völlig durchgefroren.

Am nächsten Morgen organisieren wir uns den nächsten Bus – oh ja, inzwischen lieben wir Busfahren in Peru. Anders geht es ja auch gar nicht. Wir wollen einen neuen Rekord aufstellen, denn es geht von hier nach Lima und über Nacht direkt weiter nach Huaraz. Es geht wieder in die Berge, vielleicht ein letztes Mal. Und die Hauptstadt, die bewahren wir uns für den Schluss auf.

 

Arequipa, die weiße Stadt zwischen den Vulkanen. Ica und Huacachina, die kleine Oase und die Stadt inmitten der trockenen Wüste. Paracas, das kleine Fischerdorf direkt an der Pazifikküste. Drei Orte, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Und die kurz, aber doch auf so wundersame Weise die schönsten Naturerlebnisse unserer Reise wieder haben aufleben lassen. 

Alle umdieweltgeschichten und Bilder aus Peru findest du hier!

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