Titicacasee – von Bolivien nach Peru

Ein Name, den wir schon so oft gehört, so oft gesagt, so oft gelesen haben. Ein Name, der schon in der Grundschule das erste Mal fiel und den wohl jeder irgendwie irgendwo her kennt. Der Titicacasee. Ein See, so groß, dass seine Ufer unendlich scheinen. Ein See, der zu zwei Ländern gehört. Der größte See Südamerikas.

Copacabana

Es ist Vormittag, als wir aus dem Bus steigen und auf einen idyllischen Minipark vor einer kleinen Kirche treten. Von La Paz sind wir ein paar Stunden hierher gefahren – inklusive Fährfahrt für uns und den Bus – nach Copacabana. Was heißt wie der berühmte Strand Rio de Janeiros ist eine kleine süße Stadt am Ufer des Titicacasees. Dieses Ufer geht an den meisten Stellen relativ schnell bergauf, weshalb wir in den letzten Minuten viele Kurven hinter uns gelassen haben. Aber dabei konnten wir schon die ersten Blicke erhaschen – auf das leuchtende Blau, das sich bis zum Horizont erstreckt. Wir checken in unser Hostel ein und die Augen werden größer, als wir durch das riesige Fenster in unserem Zimmer dasselbe Blau leuchten sehen. „Herzlich Willkommen am Titicacasee!“

Copacabana ist zwar vornehmlich wegen seiner schönen Lage am See ein beliebtes Touristenziel, aber auch die kleine Stadt an sich ist den ein oder anderen Spaziergang wert. Hier leben nur etwa 6000 Menschen, aber die haben es sich gemütlich gemacht in den hübschen Gassen, an den grünen Hängen und Hügeln. „Ich will das jetzt mal probieren.“, rutscht es mir heraus, als wir wieder an einer Omi am Straßenrand vorbeilaufen, die einen gigantischen Sack mit Popcorn vor sich stehen hat. Zumindest denke ich, dass es das ist – es sieht aus wie riesiges Popcorn – und so schmeckt es auch. Tatsächlich: Inka-Popcorn wird es genannt, die großen Körner einer hier in den Anden wachsenden Maissorte werden dafür verwendet, aus denen die riesigen Flocken werden.

Es ist acht Uhr dreißig, als wir auf das Boot steigen. Wir können mit ein paar anderen Leuten oben auf dem Dach sitzen. Der Motor springt an und wir schieben uns langsam vom Ufer in Richtung Blau. Wie schön so eine Bootsfahrt auf einem See ist – da haben wir eindeutig schon wildere Touren erlebt! Aber heute können wir eineinhalb Stunden im Sonnenschein entspannen, uns wortwörtlich einfach treiben lassen. Das Boot steuert die Isla del Sol an, die heilige Sonneninsel der Inka. Alte Sagen erzählen, dass hier die ersten Inka „geschaffen“ wurden. Eine Insel, die bewohnt ist und auf der man schöne Wanderungen unternehmen können soll. Uns pfeift der Wind um die Nase, wenn die Sonne sich hinter den Wolken versteckt wird es richtig kalt. Copacabana und der See liegen auf 3.800 Metern über dem Meeresspiegel. Wir sind also immer noch ordentlich hoch – und wir haben auch eine verdammt kalte Nacht hinter uns (große Fenster sind hier nur tagsüber schön). Aber wenn die Sonne sich dann zeigt, wärmt sie uns, ja schnell mehr als uns lieb ist.

Titicaca01

„Wow“ ist das einzige, was treffend beschreibt, was wir sehen. Auf der Isla del Sol angekommen, hieß es erstmal Aufstieg. Denn die Bootsanleger der kleinen Insel liegen zwar auch noch auf 3.800 Metern, aber dann geht es direkt steil bergauf. Fast 300 Meter sind wir aufgestiegen, an kleinen Hütten und Häusern vorbei, an Lamas und Eseln in den Gärten, immer über riesige unebene Steine als Untergrund. Und jetzt stehen wir hier oben, in der inzwischen brennenden Sonne, und gucken auf den glitzernden blauen See. Tatsächlich hat der Ort etwas magisches. Wir staunen über die schönen Farben der Insel, über die wir gerade wandern, und über ihre Größe. 15,4 Kilometer misst sie an ihrer längsten Stelle. Doch in diesem riesigen See wirkt sie immer noch klein, ganz Berlin würde zehn Mal in den Titicacasee passen. Irgendwo dort hinter dem Horizont gibt es sogar bewohnte, schwimmende Inseln auf Schilf. Und noch weiter hinter dem Horizont, da ist Peru.

Ja, Peru. Das Land, in das wir unbedingt auf dem südamerikanischen Kontinent reisen wollten. Das eigentliche Ziel unserer Tour durch Brasilien und Bolivien, der eigentliche Grund aus dem wir nun am Titicacasee sind. Und diesen Ort haben wir uns ausgesucht, um die Seiten zu wechseln. Es ist soweit. Abends tauschen wir all unsere letzten BOBs (bolivianische Bolivianos) in peruanische Soles und steigen in den Bus. Ziel: Puno. Schon nach einer kurzen kurvigen Strecke geht das Licht im Bus wieder an und das Kommando heißt Aussteigen! Wir sind an der Grenze, und es ist das erste Mal auf dieser Reise, dass wir eine zu Fuß überqueren. Aber erstmal heißt es auschecken aus Bolivien, drei Zettel ausfüllen, Stempel hier und da, dann zu Fuß zum nächsten Gebäude. Der Bus wird durchsucht und muss alleine durch die Schranke. Erst dann und mit allen nötigen Stempeln wird wieder eingestiegen. In Peru. „Herzlich Willkommen in Peru.“ flüstere ich im dunklen Bus. Es fühlt sich unwirklich an, dass wir in einem anderen Land sind. Dass wir in Peru sind. Dass wir im letzten Land unserer neunmonatigen Reise sind. Aber es ist auch schön, hier anzukommen. Und dann fallen unsere Augen noch für ein paar Stunden zu.

Bolivia_Peru_Border

Puno

Der erste Morgen in Puno ist so kalt wie der Abend in Copacabana aufgehört hat. Das  Klima hat sich durch die Grenze nicht großartig verändert. Und außer der Währung auch sonst noch nicht viel. Aber auch Puno, vor allem sein Zentrum, kann sich wirklich sehen lassen. Die Stadt ist mit fast 150.000 Einwohnern schon deutlich größer und doch wirkt sie auch gemütlich. Die schönen Plazas, die quadratischen schönen Plätze mit kleinen Parkanlagen, die wir schon aus Bolivien kennen, gibt es auch hier. Große prachtvolle Kirchen und viele, viele Pizzerien prägen das Stadtbild. Natürlich spazieren wir auch in Puno noch einmal zum Titicacasee. Hier können wir leider nicht aus dem Fenster auf das Wasser schauen, und auch sonst ist diese Seite des Sees ein bisschen weniger idyllisch, aber dafür auch weniger besiedelt von Touristen.

Puno_Titicaca

Nun sind wir in Peru. Nun ist es noch ein Monat. Vom Titicacasee hier ganz im Süden erwartet uns eine Reise immer weiter in den Norden des Landes. Dieses unglaublich vielfältigen Landes, in dem nicht nur Berge und Vulkane, sondern auch Wüste, Inseln und Meer uns erwarten. Und der einfachste Weg, um all das in Peru zu erreichen sind Busse. Unzählige Busunternehmen fahren jeden Abend die wichtigen Strecken des Landes ab und bringen Einwohner und Touristen von A nach B. Als wir am letzten Abend in Puno am Busbahnhof ankommen, bekommen wir das erste Mal eine Vorstellung davon, wieviele Unternehmen das tatsächlich sind. Und an jedem Schalter stehen die Mitarbeiter und rufen laut ihre Fahrtziele in die Halle. „Cusco, Cusco, Arequipa, Lima!“, schallt es von überall. Trotzdem haben wir eigentlich Glück, dass unser Bus fährt, denn im Moment sind immer wieder Streiks. Gestern konnten wir schon nicht los, heute morgen war eine Demonstration in der Stadt. Wegen aktuellen Steuererhöhungen im Land liegt der Busverkehr, dieses Herz der öffentlichen Infrastruktur, alle paar Tage lahm. Doch heute können wir fahren. Und wir fahren komfortabler, als wir uns das vorgestellt haben: mit Heißgetränken und richtigen Liegesesseln. So kann man doch sieben Stunden schlafen, bis Cusco. 

 

Der Titicacasee hat uns fasziniert – schon bevor wir dort waren und erst recht, als wir mittendrin standen. Ein wunderschöner Ort in strahlendem Blau, den zu Recht jeder schon irgendwie irgendwo her kennt. 

Mehr Geschichten und Bilder aus Bolivien findest du hier!

Und mehr Geschichten und Bilder aus Peru findest du hier!

 

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