Kandy und Ella – in der blauen Eisenbahn

Jeden Tag fährt die kleine blaue Eisenbahn die Berge hoch. Sie schiebt sich langsam Stück für Stück voran, durch sattes Grün und dunkle Tunnel. Mitten auf Sri Lanka gibt es nicht nur diese zwei Städte mit den zuckersüßen Namen. Kandy. Ella. Sondern es gibt auch diese einzigartige kleine Eisenbahn, die sie verbindet. 

Kandy

Alles wackelt und der Bass dröhnt. Obwohl ich meine Kopfhörer in den Ohren habe, kann nichts den Beat übertönen, der aus den Boxen schallt. Wir sitzen im Bus. Von Negombo sind wir auf dem Weg nach Kandy. Busfahren in Sri Lanka soll abenteuerlich sein, haben wir gehört. Ist es. Ich glaube die Regel ist, je größer und stärker der Verkehrsteilnehmer, desto schneller und rücksichtsloser sollte man fahren. Und je lauter die Technomusik, desto cooler der Busfahrer. Scheint aber niemanden sonst groß zu stören – schon wieder sind die meisten Augenpaare im Bus geschlossen. Aber wenigstens können wir die Fenster öffnen – und außer dem Fahrtwind auch den Ausblick genießen und sehen, was so an uns vorbeizieht. Viel Natur, viele kleine Dörfer und unglaublich viele unfertige Häuser. Überall wird gebaut, manchmal bin ich mir nicht sicher, ob die Baustellen überhaupt noch aktiv sind.

kandy_bus

Am Busbahnhof in Kandy wird uns eins klar: hier gibt es nur zwei Optionen. Bus oder TukTuk. Ganz groß oder ganz klein. Also steigen wir von ganz groß um in ganz klein und fahren zu unserer Unterkunft. Denn wir wohnen weiter oben am Berg, nicht direkt in der Stadt. Nun quetschen wir uns in einem der vielen kleinen, hupenden, bunten TukTuks zwischen den großen Bussen durch, die sich mühsam voran schieben. Am Berg angekommen ist zumindest eins sofort klar – der Ausblick ist es wert!

Noch einen besseren Ausblick haben wir, als wir Buddha besuchen. Wie damals in Pai, in Nordthailand, thront auch in Kandys Bergen eine riesige weiße Buddhastatue. Der „Spaziergang“ nach oben ist zwar schweißtreibend, die Sonne brennt auf unseren Köpfen, aber trotzdem winken wir allen TukTuks ab. Oben angekommen, kann man auch auf die Buddhastatue selbst hinaufsteigen. Von hier kann man Kandy überblicken. Diese kleine Stadt im Herzen Sri Lankas.

„Wir müssen bestimmt ganz genau hinschauen, wenn wir..“ „Da!“ zeigt Jan, bevor ich zu Ende sprechen kann. Müssen wir nicht. Da sitzt schon der erste Waran. Und dann schwimmt er los, direkt zu uns rüber. Wir hatten gehört, dass man bei einem Spaziergang um den Kandy Lake, mitten in der Stadt, mit ein bisschen Glück Waranen begegnen könne. Kann man tatsächlich…und auch ganz vielen anderen Tieren. Wir sind noch nicht mal halb um den See, als schon das dritte „Da!“ ertönt. Aber diesmal bleiben wir kurz stehen. Ein Riese von Waran liegt nur zwei Meter vor uns, direkt am Fußweg. So nah waren wir noch keinem – und so groß war auch noch keiner. Wir betrachten ihn eine Weile. „Irgendwie cool, dass die sich hier so mitten in der Stadt am See sonnen…“. Aber es dauert keine drei Minuten, da ist das dösende Tier umzingelt von Touristen mit Kameras, und wir ziehen weiter.

Wir treffen noch viele lustige Vögel, schüchterne Schildkröten und zwei junge neugierige Hunde, die hier anscheinend auch zuhause sind. Kandys Innenstadt ist nicht wirklich ein Hingucker, aber wenn man hier so am See steht und die Berge im Hintergrund aufragen, ist es doch ein schöner Ort.

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Von Kandy fahren wir weiter nach Ella. Aber diesmal fahren wir nicht Bus. Wir wollen die Fahrt in der blauen Eisenbahn mitten durch die Natur Sri Lankas erleben. Deshalb stehen wir um 11 Uhr am Bahnhof – gemeinsam mit unzähligen anderen Touristen. Während wir bisher auf Sri Lanka nicht überaus vielen davon begegnet sind, ist hier der ganze Bahnsteig voll. Es spricht sich rum, was die Bahnfahrt für ein Abenteuer ist. Zu recht. Die ersten zwei Stunden stehen wir mitten im Gang. Der Zug ist viel zu voll und überall stehen Leute. Langsam wird es wirklich unbequem und unsere Laune sinkt. Das hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Wir stehen zwar zwischen den offenen Türen, können auf beiden Seiten ein bisschen hinausspähen, aber zwischen uns und der Landschaft sind viele Köpfe und Ellbogen. Mal anders abstützen, mal Gewicht verlagern…ein kleiner Bahnhof. Und plötzlich haben wir Glück. Das junge Pärchen in der Tür steht auf und bedeutet uns, uns hinzusetzen. Wir reagieren schnell und bevor es zu spät ist, sitzen wir. Auf den besten Plätzen im ganzen Zug. In der offenen Tür.

Wenn man nach links und rechts blickt, sieht man die lange blaue Eisenbahn, und überall in den Türen sitzen Menschen. Die Beine baumeln hinaus, und auch aus den Fenstern gucken Gesichter und Hände. Der Zug rollt wieder los und endlich ist es das Erlebnis, auf das wir gehofft hatten. Eigentlich ist es noch besser. Wir fahren durch Wälder, über Brücken, durch Felder und Tunnel. Der Zug tuckert vor sich hin, schiebt sich im Schneckentempo die Berge hoch. Aber es ist genau die richtige Geschwindigkeit, um alles genau zu sehen, um die Landschaft aufzusaugen, und den Blick keinen Moment abwenden zu können. Fünf Stunden lang bleiben wir genau auf dieser Stelle sitzen, bis wir in Ella ankommen. Inzwischen sind meine Arme ein bisschen taub und Jan lacht, als er mir zeigt wieviel Staub ich im Gesicht habe. Aber egal. Wir können nur Grinsen, denn so eine schöne Zugfahrt hatten wir noch nie!

Ella

„Under my umbrella -Ella -Ella…“ summen wir, als wir im Nieselregen den Berg hinab laufen. Wie passend. Aber die gute Laune kann uns das Wetter nicht nehmen! In unseren Regenjacken stapfen wir gemütlich an der Straße entlang. Wir sind auf dem Weg ins Dorf, nach „Ella Town“, von unserer Unterkunft aus. Denn wieder wohnen wir in den Bergen, diesmal aber noch etwas weiter draußen. Der Ausblick ist noch schöner – unfassbar, beim Frühstück, den Nebel aus dem Tal ziehen zu sehen! – nur der Weg eben auch noch weiter. Aber in diese Richtung geht’s eh nur bergab. Ella ist winzig. Ein kleines Dorf hier in den Bergen Sri Lankas. Aber ein wunderbarer Ausgangspunkt für Wanderungen in die Natur ringsherum. Und deswegen sind auch wir hier – genau wie all die anderen, die man so in den kleinen Restaurants im Dorfkern trifft. Heute haben wir zwar keine Lust auf große Ausflüge, bei Regen reicht uns der Weg in die Stadt. Aber gestern haben wir erlebt, wie beeindruckend Sri Lankas Natur sein kann. Auf dem Weg zum Ella Rock sind wir durch Teeplantagen und Wälder marschiert, kleine Abhänge hinaufgekraxelt und am Ende wieder Wurzel- und Steinstufen bis auf den Gipfel hochgeklettert. Es hat die Sonne geschienen und man konnte schon auf dem Weg den Ausblick genießen – auf grüne Berge, eine Landschaft wie im Film. Als wir oben angekommen waren, haben wir uns einen eigenen Felsen erobert – ein bisschen abseits von dem Vorsprung, auf dem sich zig Leute getummelt und für Fotos hin- und hergeschoben haben.

Dort haben wir einfach nur gesessen und den Wolken zugesehen, wie sie immer weiter über die Bergkuppen gekrochen sind. Stück für Stück haben sie das Panorama eingehüllt und den Nebel ins Tal ziehen lassen, der jeden Tag irgendwann kommt. Und heute kam er eben schon nach dem Frühstück.

Wieder sitzen wir im Bus. Wieder dröhnt der Beat. Aber diesmal wird es auch immer wärmer, während wir fahren. Wir düsen die Serpentinen von Ella hinunter nach Matara. Während es in Ella auch mal nur 15 Grad waren und wir Pullis und Jacken rausgeholt haben, wird es jetzt wieder sonnig und warm. Wir fahren in den Süden – wieder Richtung Meer.

 

Immer noch fährt die kleine blaue Eisenbahn jeden Tag die Berge hoch. Sie schiebt sich langsam Stück für Stück voran, durch sattes Grün und dunkle Tunnel. Mitten auf Sri Lanka gibt es nicht nur diese zwei Städte mit den zuckersüßen Namen, umgeben von diesen wunderschönen Landschaften. Kandy. Ella. Sondern es gibt auch diese einzigartige kleine Eisenbahn, die sie verbindet. Die einem den Atem raubt, wenn man in ihrer Tür mitfährt, durch das satte Grün und die dunklen Tunnel. 

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