Cameron Highlands – Grün in Grün

Eine Pause vom Großstadtdschungel, ein paar Tage in der wilden Natur. Wandern, Spazieren und Durchatmen – in den Cameron Highlands.

Das sind die Higlands von Malaysia. Zehn Grad kühler und gefühlt nur die Hälfte der Luftfeuchtigkeit Kuala Lumpur’s. Jan kann es kaum erwarten – die Abkühlung wird das Paradies! Wir steigen am Bus Terminal in Kuala Lumpur in einen Reisebus, der uns vier Stunden in den Norden bringt. Die Fahrt erinnert uns erst leicht, dann ziemlich doll, an die nach Pai. Kurve um Kurve schlängelt sich der dicke Bus über die schmale Straße, die Aussicht ist dafür großartig. Und als wir endlich mit ein bisschen Übelkeit Tanah Rata erreichen, werden wir belohnt. Mit kaltem Sauerstoff. Wir atmen tief ein – jetzt ein paar Tage Urlaub vom Reisen.

Der Hostelmitarbeiter ist ein lustiger junger Typ. Er guckt verdutzt, als er sieht, dass wir fünf Nächte gebucht haben. So lange bleibt hier kaum jemand. Aber wir ahnen, dass es sich lohnen wird ganz in Ruhe die Umgebung zu erkunden. Und selbst wenn nicht – ein paar Tage ohne Schwitzen wären es Jan sicher schon wert. Ich grinse ihn an, als wir in Regenjacke die Treppe runtergehen und er sich freut. Erstmal was essen.

Wir sind umgeben von Wandertrails, von Tee- und Erdpeerplantagen und anderen Sehenswürdigkeiten. Aber unser Fokus liegt auf den Trails, wir wollen endlich wieder wandern. Allerdings ist es gar nicht so leicht, sich für einen zu entscheiden…zu weit weg, zu hart, zu langweilig, bei manchen gibt es viele schlechte Erfahrungsberichte. Da es hier gewöhnlich nachmittags beginnt zu regnen, wandert man eh besser morgens los, wenn’s eine von den großen Touren sein soll.

Für heute starten wir einfach mal mit einem kleinen Trail, Nummer 4 – eigentlich Kategorie zu langweilig. Um einen kleinen Einblick zu bekommen ist aber auch dieser sehr schön. Wir – ich würde sagen spazieren – an einem kleinen Bach entlang und über Brücken, tricky wird es nur kurz an einer Stelle, wo ein Baum weggebrochen ist. Aber die Pflanzenwelt, die uns umgibt macht jetzt schon Lust auf mehr…auf die nächsten Tage.

„Diese Geräuschkulisse! Im Zoo wird das eingespielt, hier sind wir mitten im Original!“

Als Jan das sagt, bleibe ich kurz stehen. Wir stehen am Hang eines Berges und ich wünschte ich könnte diesen Moment einfangen. Wie so viele andere auch – das Zusammenspiel vom Ausblick, jeder der 360 Grad mit seinen Farben und Details, mit den Gerüchen, der Luft und den Geräuschen. Kein Foto, kein Video reicht dafür aus. Wir genießen umso mehr, dass wir gerade hier sind. Am Mount Jasar, mitten in den Cameron Highlands in Malaysia. Vor uns erstreckt sich überall sattes Grün, in verschiedenen Farbtönen. Es geht steil bergab – auf einem schmalen rutschigen Pfad mitten durch die Pflanzenwelt. Man hört es oft rascheln und die Vögel geben ein Konzert – sehen tun wir aber keins der Tiere. Heute morgen sind wir durch den Wald auf den Berg gestiegen – dort ging es noch steile Wurzelstufen hinauf. Meine Oberschenkel brennen immer noch.

Nachdem wir oben auf dem Gipfel die Aussicht auf den Regenwald, die Obstplantagen bis hin zu den Teefeldern in der Ferne genossen haben, geht es jetzt also weiter. Wir haben uns für die andere Seite zum Abstieg entschieden, in Richtung Teeplantage. Beide Wege haben ihre Tücken – aber beide lassen uns auch einfach nur staunen.

Wir tasten uns langsam immer weiter den steilen Pfad hinunter. Ab und zu bleiben wir stehen und lauschen dem Rascheln um uns herum oder dem Vogelkonzert aus dem Wald und schießen ein Foto – um doch zu versuchen, ein bisschen unserer Faszination einzufangen. Auf dem letzten Kilometer wird der Weg breiter und fester, er schlängelt sich nun um die Obstplantagen herum. „Was ist das?“ frage ich als wir an dicken grünen Früchten vorbeigehen, die irgendwo zwischen Birnen und Guaven existieren könnten. Wie wir später herausfinden sind es allerdings Chayoten, eine Gemüsesorte. Als wir an der Teeplantage ankommen sind wir platt, aber lachen vor Freude. „Kaum zu glauben, dass wir wieder auf Berge steigen können“ „Naja, Bergchen,…“ Der Mount Jasar war mit 1670 Höhenmetern, von denen wir nur 170 steigen mussten, tatsächlich eher ein Hügel. Aber dafür ein sehr steiler Hügel, mit ziemlich verzwickten Wegen, mitten im Dschungel. Es hat sich gelohnt. Genau wie der Ausblick hier auf die satt grünen Teefelder. Die Sonne zeigt sich noch einmal kurz zwischen den tief hängenden Wolken und alles um uns herum leuchtet. Einfach den Moment genießen. Genau jetzt.

„Also zurück in die Stadt sind’s über drei Kilometer!“ lässt Jan mich wissen. Hier auf dem Parkplatz findet sich sicher jemand, der uns mit in die Stadt…und schon sitzen wir auf der Rückbank von einem freundlichen Ehepaar. Die beiden erzählen von ihrer Wandertour heute und wir von unserer Reise – und zack sind wir daheim. Naja, daheim,..in unserem Hostel was wirklich schön ist, sich aber leider immer mit vielen lauten Menschen gefüllt ist. Wir entfliehen dem noch einmal – zum Singh Chapati, einem indischen Restaurant, wo wir auch gestern schon gegessen haben. Mit dem besten Masala Tee, den wir bisher getrunken haben, lassen wir den Abend ausklingen. Das Essen ist unfassbar lecker!

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Am nächsten Tag lacht uns der Hostelmitarbeiter ein bisschen aus, als wir schon wieder Instant Nudeln essen – aber das ist der Preis dafür, manchmal richtig lecker Essen zu gehen. Wir haben den Tag hier relaxed, ausgeschlafen und Pläne geschmiedet. Blog geschrieben und Fotos sortiert. Nach anstrengenden Wandertagen eine schöne Erholung und zum Glück absolut drin, da wir uns ja den Luxus gönnen lang genug hier zu bleiben.

Es ist neun Uhr, als wir am nächsten Morgen aufbrechen. Wir wollen Trail 3 laufen und fragen nochmal ob es außer zu Fuß eine gute Möglichkeit gibt, dorthin zu kommen. (Sonst wäre er nämlich leider Kategorie „zu weit weg“.) Der Hosteltyp sagt, wir könnten einfach Trail 7 gehen, der führt dann auf den anderen. Okay, alles klar. Los geht’s.

Wir laufen durch einen ähnlich dichten Wald wie bei der letzten Wanderung. Aber diesmal ist es nicht ganz so steil, was ganz angenehm ist. Es hat ein bisschen gedauert, bis der Weg schön und gut zu laufen wurde aber nun geht’s quasi von allein und wir sind ins Quatschen vertieft. „Was machen wir eigentlich, wenn wirklich mal einer von uns von einer giftigen Schlange gebissen wird?“ „Und wenn’s eine Würgeschlange ist?“ Frage ich Jan so vor mich hin. Er erzählt von Tipps und Tricks, die ihm damals in Australien gegeben wurden und wir diskutieren gute Techniken. Er ist ganz vertieft, als ich aus dem Augenwinkel… „Stopp!“ Ich bleibe wie angewurzelt stehen und halte Jan am Arm. „Pst. Ein Hund. Oh, nee. Drei Hunde.“ Er verstummt sofort. In einigen Berichten hatten wir von wilden Hunden auf den Wanderwegen gelesen – die leider gar nicht so zahm waren. Da wir ja nun einen anderen Weg laufen, als wir eigentlich wollten, wissen wir nicht genau ob es dieselben sind. Die drei kommen langsam auf uns zu, der vorderste knurrt. „Scheiße, komm. Langsam!“ Wir gehen ganz langsam rückwärts, obwohl wir am liebsten losrennen würden. Die Hunde bleiben genau da stehen wo sie sind und wir entfernen uns bis wir sie fast nicht mehr sehen können. Sie kehren sich von uns ab und Streunern nach rechts in den Wald zurück. „Man was machen wir jetzt? Schon wieder eine Verletzung brauchen wir echt nicht.“ Wir entscheiden uns für – erstmal warten. Wir stehen rum und wollen nicht so richtig vor und auch nicht zurück. Nach fünf Minuten gehen wir nochmal ein Stück vor um zu gucken. Und bleiben direkt wieder stehen. Da sind die nächsten drei. Jetzt sind wir bei sechs wilden Hunden. Diese haben uns zum Glück noch nicht gesehen, aber wenn die alle zusammen gehören sind die anderen sicher nicht weit. Und wir gegen sechs Hunde klingt nicht so verlockend. Okay, selbes Spiel. Langsam zurück. Wir legen es nicht drauf an, dass sie uns sehen und schaffen es fast lautlos aus dem Blickfeld. Wir treten den Nachhauseweg an – immer auf der Hut vor der Bande, die jetzt irgendwo zu unserer rechten im Gebüsch sein dürfte. Wir schnappen uns Stöcker für den äußersten Notfall und vertiefen uns wieder in Geschichten. Wir sehen die Hunde nie wieder. Aber wir sind froh, gegangen zu sein. So ein Hundebiss wäre keinen weiteren Schritt wert gewesen!

Als wir auf dem Rückweg den kleinen Freizeitpark durchqueren, der vor dem Ein- und Ausgang des Trails liegt, quietscht uns eine kleine Gruppe Teenie-Mädchen an. Ob sie ein Selfie mit uns machen dürfen. Sicher. Bevor wir recht wissen wie uns geschieht, sind wir vor der Linse – alle zusammen. Sie quietschen wieder und wir gehen weiter. „Man, das ist echt schräg. Warum machen die das immer?“ Es ist das dritte Mal, dass Fremde Fotos mit uns machen wollen. In einer Woche Malaysia. Man könnte sich geschmeichelt fühlen, aber leider passiert uns das sonst nie und wir wüssten auch nicht, was im Moment anders ist. Der Bart vielleicht. Nein, ehrlich. Das finden wir jedes Mal wieder amüsant und skurril. Wer weiß wo wir im Netz so auftauchen…

„So, stellen wir uns mal wieder auf 30 Grad und feuchte Luft ein!“ Wir steigen in den Bus zurück nach Kuala Lumpur. Dort werden wir noch einen Tag verbringen, bevor es dann weiter geht…

Die Highlands waren die Zeit hier allemal wert. Zum Wandern ist es wunderschön und es war die perfekte Abwechslung von der Großstadt. Ein Ort, wo man zur Ruhe kommen kann.

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WELL DONE

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