Kuala Lumpur – Großstadtdschungel

Von Thailand nach Malaysia, von Krabi nach Kuala Lumpur, von der überschaubaren Küstenstadt in die Millionenmetropole.

Neun Uhr morgens. Landeanflug. Das Flugzeug dreht sich schräg in den Himmel und wir grinsen uns an. „Willkommen in Malaysia!“

Wir laufen durch Kuala Lumpur’s Flughafen, alles ist weitläufig, bunt und ziemlich modern. Viele Shops und Einkaufsmöglichkeiten. Wir wechseln unsere letzten Thai Baht und begutachten unser neues Geld. Die Scheine sind knallbunt und fühlen sich an wie Plastik. Umgerechnet wird jetzt nicht mehr durch 40, sondern durch 5. Oder eben auch manchmal durch vierzig mal acht. Man muss ja die Preise vergleichen.

Wir entscheiden uns gegen den Expresszug in die Stadt und nehmen stattdessen den Linienbus – für einen Bruchteil des Preises. Der Bus brummt laut, mir fallen sofort die Augen zu. Das war ein langer Vormittag…heute Morgen sind wir noch in Thailand gewesen…

Als ich wieder aufwache, fahren wir gerade auf die Skyline von Kuala Lumpur zu. Hochhäuser, riesige Skyscraper. „Guck, da sind sie!“, Jan zeigt auf die Petronas Towers. Die Zwillingstürme sind das Wahrzeichen der Stadt. Aber uns zieht es erstmal wo ganz anders hin…

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„Boah, wir sind echt mitten in Chinatown…“, stelle ich fest, als wir mit unseren Rucksäcken durch kleine Gassen, Hinterhöfe und Wege kraxeln. Wir sind umgeben von chinesischen Restaurants (oder deren Hinterhöfen) und Schildern. Die roten Laternen signalisieren uns, dass wir richtig sind. Wir finden die schmale Tür, hinter der eine lange Treppe zu unserem Hostel führt. Ein Mitarbeiter mit starkem indischen Akzent begrüßt uns und zeigt uns alles. In der Lobby sitzt eine bunte Mischung von Menschen. Einige junge Reisende, die meisten westlicher oder chinesischer Herkunft. Dazwischen einige ältere Männer, in Gesprächen bekommen wir mit, dass sie aus dem pakistanischen Raum kommen. Auch eine holländische Familie ist da, die zwei kleinen blonden Mädchen hüpfen zwischen all dem Trubel umher.

„Okay, DAS ist so richtig Chinatown.“ Wir sind wieder losgezogen, um die Gegend zu erkunden und was zu essen zu suchen. Wir laufen zufällig durch die Petaling Street. Wie wir später feststellen, ein Highlight für viele Touristen. Es ist ein großer Markt, wo es alles zu kaufen gibt, Schuhe, Schmuck, Klamotten, Uhren – nur leider kein Streetfood. Die Wege sind sehr eng, zwischen den Ständen ist wenig Platz, und man muss sich aneinander vorbei schlängeln. Obwohl wir definitiv in Chinatown sind, sind die meisten Stände von jungen Männern besetzt, die eher nach indischer Herkunft aussehen. Wir gucken zwar neugierig, was es so gibt, laufen aber zielstrebig geradeaus. Es wäre der perfekte Ort, wenn wir neue Klamotten bräuchten – aber noch ist es nicht soweit. Also suchen wir uns ein Restaurant in einer Parallelstraße. Es gibt kein vegetarisches Gericht auf der Karte. Aber gebratene Nudeln gibt’s zum Glück überall.

Wir fallen ins Bett. Es war ein langer Tag – und wir müssen uns nicht nur wieder an die Lautstärke und Gerüche der Großstadt, an neues Geld und eine andere Kultur gewöhnen. In Kuala Lumpur ist die Luftfeuchtigkeit auch nochmal deutlich höher als in Krabi. Es ist stickig und heiß. Unsere Körper sind für heute k.o..

„Was wollen wir heut‘ anstellen?“, grinst Jan mich noch etwas müde an. Es gibt wieder Toast mit Marmelade und wir haben unseren ersten Kaffee vor uns stehen. Frühstück gibt es hier in der Rooftopbar, mit Blick über Kuala Lumpur.

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Es gibt schlechtere Orte, um in den Tag zu starten! Wir entscheiden uns für den Weg zu Fuß durch einen großen Park bis zum Planetarium. Unterwegs soll es auch einen Vogel-, und einen Schmetterlingspark geben. Also los, letzter Schluck Kaffee und Schuhe an!

Bevor wir weit gekommen sind, legen wir einen Zwischenstopp am Central Market ein. Wir treten in eine große Markthalle, es ist angenehm kühl und nicht so voll wie auf den Straßen. Vor uns liegen Gänge durch unzählige Stände, die Technik, Klamotten, Stoffe und Lebensmittel verkaufen. Es ist viel weitläufiger und entspannter als die Petaling Street. Trotzdem genauso bunt und spannend. Wir schlendern durch das Geschehen und lassen uns ein bisschen treiben – dann geht’s weiter Richtung Park.

Unter uns brummen Autos und Busse. Wir laufen auf dem Fußweg und schauen uns um – hier ist wirklich niemand außer uns weit und breit. Jep, der Fußweg ist in der Luft. Und überdacht. Smart, die Malayen. Hier oben kommt man dem Verkehr nicht in die Quere, kann schneller von A nach B, ist geschützt vor der Sonne und man wird nicht mal nass, wenn’s regnet. Wir staunen und laufen. Und laufen. Und laufen. Dann geht’s viele Stufen runter und plötzlich unterirdisch weiter. Schon wieder niemand um uns herum. Irgendwie merkwürdig – an manchen Orten in dieser Stadt ist es rappelvoll, und dann geht man um ein paar Ecken und Schwupps – ist man allein.

Ein Park ist nicht gleich ein Park…stellen wir fest als wir ankommen. Zumindest sind wir jetzt an dem Punkt auf der Karte wo wir hin wollten. Wir laufen inzwischen an der Straße entlang, die eingerahmt ist von riesigen Bäumen und Grün. Es sieht aus wie im Bilderbuch. Der „Großstadtdschungel“ kriegt eine ganz andere Bedeutung. Aber in einem Park sind wir eben nicht. „Ich dachte wir laufen durch einen schönen Park und dann kann man dort in die Gärten mit Vögeln oder Schmetterlingen…oder irgendwie so“, sagt Jan. Das dachte ich auch. Aber nein. Hier ist kein wirklicher Park, der besteht nur aus den nebeneinanderliegenden Attraktionen, für die wir jeweils 30 Euro Eintritt zahlen müssten. Als wir von außen die Netze und Käfige sehen, in denen die Vögel und Schmetterlinge einfach wie in Zoos gehalten werden, sparen wir uns das. Etwas enttäuscht wandern wir weiter, bei gefühlten vierzig Grad.

Vielleicht eine Stunde später stehen wir dafür an einem Ort, für den sich der Weg trotzdem gelohnt hat. Im Obergeschoss des Planetariums. Umgeben von einer Glasfront kann man die Aussicht über Kuala Lumpur und direkt auf die Skyline genießen. Klar, wir sind nicht in den Petronas und auch nicht auf dem Fernsehturm – die eigentlichen Sightseeingspots. Das ist uns zu teuer und zu voll. Aber von hier kann man die drei Türme und die gesamte Umgebung ziemlich gut sehen – und wir sind allein.

Unten allerdings nicht mehr. Als wir wieder runterkommen, in die erste, die Ausstellungsetage, scheint gerade eine Filmvorstellung zu Ende zu sein. Es müssen mehrere Schulklassen sein, die hereinströmen. Plötzlich sind wir umgeben von laut plappernden malaysischen Kids, die das Sonnensystem erkunden und an allen Bildschirmen eine mögliche Touch-Funktion suchen. Hier zeichnet sich dasselbe Bild, was wir auch in der Stadt schon beobachtet haben. Eine multikulturelle Mischung von Menschen. Vor allem chinesische und indische Einflüsse sind deutlich aber natürlich kann man nicht jedem seine Herkunft ansehen. Ich finde es spannend, dass die Kinder so eine bunte Mischung sind. Die besten Voraussetzungen für ein tolerantes friedliches Zusammenleben, wie man es hier überall beobachten kann.

Natürlich besuchen wir die Petronas Towers. Am nächsten Tag sitzen wir im Bus dorthin – zumindest irgendwo in die Richtung. Hier gibt es nämlich einen ziemlich guten Service: einen Busanbieter, der den ganzen Tag Linie durch die Stadt fährt – umsonst. Man kann einfach ein- und aussteigen, wo man möchte. Allerdings …“Ich glaub, wir haben unseren Stopp verpasst“, „Ja, dann lass uns mal einfach hier aussteigen“. Gesagt, getan. Vor einer riesigen Shopping Mall hüpfen wir aus dem Bus. „Wir gehen einfach da durch, dann müssten wir quasi direkt bei den Towers rauskommen“, plant Jan. Schon als wir reingehen stellen wir fest, dass wir im … ähm … „Bonzenviertel“ gelandet sind. Hier gibt’s nur Luxusmarken, das Kaufhaus besteht quasi aus Hilfiger, Chanel und Boss. Gut, dann einfach auf der anderen Seite direkt raus. Kein Ausgang. Eine Etage weiter oben auch nicht. Wir laufen hin und her, immer um einen großen Weihnachtsbaum, der in der Mitte aufgebaut ist. Die Weihnachtsdeko ist noch pompöser als in deutschen Kaufhäusern – irgendwie total abgefahren bei 35 Grad.

Irgendwann rät uns eine nette Dame, einfach durch’s Parkhaus zu gehen – und das tun wir dann auch. Von dort geht es dann wieder durch einen luftigen Fußweg Richtung City Center – und es wird ehrlich gesagt immer verrückter. Dieser Fußweg ist nicht nur in der Luft und überdacht, sondern auch klimatisiert. Hier gibt es wirklich klimatisierte Fußwege mitten durch die Stadt. Was das für Energie verbrauchen muss! Am Ende sind wir wieder fast allein, gehen eine Treppe hinunter – und landen im Getümmel. Unterirdisch gibt es hier eine Fressmeile. Lauter indische und chinesische Schnellrestaurants reihen sich aneinander. „Was zur…?“, wir sind einfach immer wieder überrascht. Diesmal freudig – wir haben riesigen Hunger!

Einen indischen Reis später stehen wir dann im KLCC (Kuala Lumpur City Center) Park, der sich direkt vor den Zwillingstürmen auftut. Wir spazieren herum, vorbei an ziemlich coolen Spielplätzen, und – einem Swimming Pool. Mitten in den Park ist ein öffentliches Schwimmbecken gebaut, in dem unzählige Kids planschen.

img_1022.jpg„Sorry, can we take a photo?“, ein junger Mann quatscht Jan an. Ich dachte, wir sollen ein Bild von ihm machen – aber bevor ich überhaupt verstehe, was passiert, dreht er seinen Selfiestick und macht ein Foto mit uns. Also mit Jan. Weil ich vor Überraschung einen großen Schritt zur Seite mache. Was war denn das? Und warum? Als der Mann weg ist gucken wir uns verdutzt an. Wir müssen lachen.

Es passiert uns noch öfter, dass uns Leute Hallo sagen, sogar aus der Ferne zurufen, oder ein Foto mit uns machen wollen. Ein Mann fotografiert uns einfach direkt auf der Straße. Wir wissen nicht so recht, wie wir das finden sollen – aber sind auch jedes Mal wieder zu überrascht um überhaupt irgendwas zu sagen. Vielleicht werden wir jetzt berühmt.

Wir schießen noch Fotos von, vor und neben den Türmen und machen uns dann auf den Rückweg. Eine wirklich bunte Stadt – voller Überraschungen!

Kuala Lumpur vereint viele Menschen verschiedener Kulturen und Religionen. Wir waren an der großen Moschee, sind an buddhistischen und hinduistischen Tempeln vorbei gelaufen. Gleichzeitig wird ein pompöses westliches Weihnachten gefeiert – zumindest vermarktet. Es gibt überall chinesisches und indisches Essen, oft auch thailändischen Einfluss. Leider gibt es kaum vegetarische Gerichte oder Restaurants – mein Essen besteht dann meist aus dem Weglassen von Zutaten. Aber das ist okay. Es ist an vielen Orten voll und laut und bunt – aber um die Ecke auch weitläufig und einsam. Am eindrucksvollsten jedoch ist wie in dieser Stadt Tradition und Moderne aufeinander treffen. Man sieht überall, dass hier Innovationen geschaffen werden. Wirtschaft und Forschung haben hier ein Zentrum für die Entwicklung – und doch wird dabei die Geschichte, die Tradition erhalten. Riesige Skyscraper stehen neben uralten romantischen Bauten. Superschnelle Expresszüge zum Flughafen fahren neben alten rostigen Bussen. Die Kontraste sind überall.

Wir sind inzwischen in einem anderen Hostel – aber eine Dachterrasse gibt es hier auch. Hier verabschieden wir uns von der bunten Stadt, mit all ihren Überraschungen. Nach ein paar Tagen in den Cameron Highlands haben wir noch einen Tag in KL verbracht. Morgen geht es dann weiter – wir fliegen in den Osten Malaysias, auf die Insel Borneo.

Morgens nehmen wir diesmal den Expresszug. Sonst kommen wir nicht rechtzeitig zum Flieger. Auf den Bildschirmen läuft ein Film über die Sustainable Development Goals der UN. Die nachhaltigen Entwicklungsziele der globalen Gemeinschaft. Es geht darum, was die Menschen jeden Tag tun können, um zu mehr Gerechtigkeit, Bildung, nachhaltigem Klimaschutz und Frieden beizutragen. Ich frage mich, warum es diese Bildschirme mit diesen Filmen in Deutschland nicht gibt. Warum sie nicht überall sind. Jeder sollte sie sehen. Jeden Tag.

Von der Großstadt in den richtigen Dschungel, von der Millionenmetropole auf die Insel. In Malaysia, einem Land der Diversität und Kontraste. Wo verschieden sein friedlich und harmonisch funktioniert.

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