Phuket – die unendliche Suche nach dem Paradies

Eine Insel, die uns mit Regen, Tourismusströmen und der ein oder anderen kleinen Überraschung auf eine Probe stellt. 

 

„Guck mal, das Meer!“ Wir sitzen im Flieger. Anschnallzeichen an. Landeanflug.

Fast schon routiniert steigen wir aus dem Flugzeug, laufen zum Gepäckband, sortieren uns und unsere Taschen, grinsen uns an und sagen… „Willkommen in….“ Wir landeten soeben auf Phuket,  der größten Insel Thailands und zugleich wohl auch einer der touristischsten in der thailändischen Andamanensee. Zu den ca. 300.000 Einwohnern sollen hier zu Spitzenzeiten weitere 40.000 Touristen kommen.

Alles Informationen, die uns ein wenig die Inselvorfreude rauben. Eigentlich suchen wir doch den paradiesischen Traumstrand. Für uns allein, mit Dschungel im Rücken… Vielleicht auch ein oder zwei Longtailboote oder eine kleine Bar, aber sonst wirklich nur idyllischer, untouristischer Frieden. „Also ich erwarte ehrlich gesagt nicht so viel von Phuket, aber vielleicht überrascht es uns ja…von hier aus kommen wir auf jeden Fall gut weiter“, überlegt Wini laut. Ich würde gern ein wenig Optimismus in meine Antwort legen, aber bei dem jetzigen Informationsstand und obendrauf einer schlechten Wettervorhersage fällt es mir wirklich schwer. „Naja, wir sollten erstmal genießen am Meer zu sein. Vielleicht können wir uns dann einen Roller mieten und uns den schönsten Strand suchen oder auf spannende Erkundungstour gehen“.

Es ist Nebensaison, gerade so das Ende der Regenzeit auf Phuket. Wir haben eine sehr günstige Unterkunft gefunden, in der wir ein schickes und geräumiges Doppelzimmer beziehen. Man läuft keine 5 Minuten bis zum Kata Beach. Phuket hat eine Chance verdient unser Herz zu erobern, obwohl diese Insel, dank ihres Flughafens, nur ein Zwischenstopp auf dem Weg zur Strandidylle auf irgendeiner anderen Insel sein soll. Bald sollen wir jedoch feststellen, dass wir den Aufenthalt im Beach Breeze Guesthouse des öfteren verlängern. Weil uns Phuket so gut gefällt?

Meer. Das Verlangen nach Meer treibt uns nach unserer Ankunft im Hostel direkt wieder auf die Straße. Es ist dieses Loch im Weltreisebauch, das die ersten beiden Wochen noch nicht stillen konnten. Wellen, Meeresrauschen und salzige Luft… Das erste Mal über den Sandstrand laufen und kopfüber ins türkise Nass springen. Ich habe mich auch danach gesehnt, aber noch mehr hatte ich das Gefühl, dass es für Wini nun endlich Zeit ist einen Strand unter den Füßen zu spüren. Doch der Weg fordert unsere Vorfreude erneut heraus. Entlang an einem kleinen und eher zugemüllten Kanal führt der kürzeste Weg zum Strand, sagt meine Karte. Würden wir die Dame an der Rezeption fragen, hätte sie uns sicherlich einen anderen Weg empfohlen, aber nun ließen wir uns nicht mehr von der Route abbringen. Wir kommen am Strand an und sind zunächst etwas abgelenkt von dem Treiben um uns herum. Viele Buden bieten Essen an, uns kommen einige Roller entgegen, die auf der Promenade entlang fahren und neben viel Abfall sehen wir viele Leute am Strand liegen, laufen, verkaufen, springen, surfen, Selfies machen und schwimmen. Wir ziehen die Flipflops aus und steigen ein in das bunte Geschehen. Uns fällt auf, wie vielfältig die Leute am Strand gemischt sind. Familien, Pärchen, Einheimische, Surfer, Jetskifahrer, jung, alt… Unglaublich viele Eindrücke und spannende kleine Szenen spielen sich vor unseren Augen ab. Wir laufen am Strand entlang und ganz langsam kann unser Blick sich auf das Meer konzentrieren. Es ist nass an den Füßen. Wir sind da.

Mit nassen, sandigen Füßen machen wir uns auf zur Hauptstraße von Kata, übrigens die drittgrößte Bucht/Stadt an Phukets Westküste, und erkunden unsere Umgebung. Viele Touristen, viele Restaurants mit Mitarbeitern vor der Tür, die einem schon auf 20 Meter Entfernung die beste Seafoodplatte der Insel anpreisen. Nicht nur diese, sondern auch der gebratene Reis mit Gemüse oder eine Pad Thai werden in den Karten jedoch für Preise angeboten, die uns ein „Boah, hier ist ja alles viel teurer!“ entlocken. Es ist geschafft. Wir fühlen uns das erste mal wie richtige Pauschaltouristen. Irgendwie will hier jeder etwas anbieten, jeder für unser Wohl sorgen und doch ist es anders. Uns fehlt hier irgendwie die Herzlichkeit und die liebevollen Details, die ganze Authentizität der Kultur – für die hier wohl in all der Masse von zahlenden Kunden weniger Platz ist. Es ist interessant, es ist auch ein Gesicht von Thailand und sicherlich finden auch viele hier ihren erholsamen Urlaub. Aber wir freuen uns, dass wir jeden Tag die Freiheit haben weiterzuziehen und nur dort bleiben zu müssen, wo wir uns auch wirklich wohl fühlen.

Zwei Tage später sitzen wir morgens in unserem Zimmer und beschließen einen Roller zu mieten. Es hat am Vortag nur geregnet und auch heute ist das Wetter eher schlechter als besser vorhergesagt. Irgendwie ist uns das aber zu einfach. Wir wollen unsere Eindrücke von Phuket nicht auch noch von Regen und mieser Laune bestimmen lassen. Uns packt der Reiseehrgeiz und die Entdeckerlust und wir fahren einmal quer über die Insel in den Khao Phra Thaeo Nationalpark. Es muss ja auch schöne Seiten geben…wir wollten Phuket eine Chance geben. Hier im Nationalpark gibt es neben dem größten Wasserfall der Insel auch eine Auffangstation für Gibbons. Diese ist eigentlich der Hauptgrund unseres Ausflugs, nachdem ein Artikel darüber im Internet gestern unser Interesse geweckt hat.

Gibbons werden in Thailand oft als Haustiere gehalten oder als touristische Fotoattraktion genutzt. Zugegeben kommen sie auch echt niedlich daher mit ihren großen Augen! Aber das rechtfertigt nicht, was wir an diesem Tag alles erfahren. Die Affen werden eingefangen, gekauft und im Privatbesitz verlernen sie nicht nur ihr natürliches Leben und Verhalten, teilweise werden sie sogar schwer misshandelt. Im höheren Alter werden die Tiere zunehmend eigenwilliger und die Halter sehen zu diesem Zeitpunkt meist erst ein, wie schwachsinnig es ist, ein wildes Tier in die Familie aufzunehmen und getrennt von den Eltern an der Flasche aufzuziehen. Die Auffangstation hilft den freigelassenen und abgegebenen Gibbons wieder in der Wildnis überlebensfähig zu werden und die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, dass unzählige Gibbons unter der unnatürlichen Aufzucht und Misshandlungen leiden. Ganze Gibbon Populationen werden dadurch zerstört. Nachdem wir uns von einer Volunteer das Rehabilitationskonzept erklären lassen haben, können wir noch ein paar Blicke auf drei Neuankömmlinge in der Auffangstation werfen. Es ist wieder einmal schön zu sehen, dass gegen die über Generationen verbreitete Misshandlung verschiedener Tiere gehandelt wird und es scheinbar große Fortschritte gibt, das Bewusstsein in der Bevölkerung für diese Probleme zu steigern. Falls ihr mehr wissen möchtet, besucht doch: https://www.gibbonproject.org .

Leider sind wir aber auf dem Weg zur Gibbonstation wieder an einigen Elefantenfarmen vorbeigefahren – die Elefanten standen angekettet direkt an der Straße – schon mit Reitgestellt auf dem Rücken. Die Augen waren ganz leer, der Kopf hing traurig herab. Es muss noch immer viel getan werden! Wir hoffen, dass wir bald auch Affen mal in freier Wildbahn sehen können…

Minuten später finden wir uns an dem Wasserfall wieder. Wir wandern auf einem kleinen Trail durch den Dschungel und vergessen dabei für einen kurzen Moment fast, dass wir schon komplett durchnässt sind vom nur selten stoppenden Regen. Der kurze Besuch beim Bangpae Wasserfall hat sich gelohnt…wobei, finanziell wohl eigentlich nicht. Aber das war’s – mehr können wir im Nationalpark leider nicht erkunden. Also, auf nachhause, schließlich brauchen wir ja zwei Stunden zurück und wollten uns eventuell auch noch einen Strand anschauen.

Zur Heimfahrt bleibt nur zu sagen: Phuket ist wirklich bergig, wirklich kurvig und war wirklich nass. Gut, dass unser Roller auch als Amphibienfahrzeug tauglich war.

Die folgenden Tage können wir Phuket leider keine weitere Chance geben uns neben dem ermüdenden Massentourismus doch noch schöne Seiten zu zeigen. Wir haben uns unsere erste Lebensmittelvergiftung eingefangen und brauchen einige Zeit, um wieder so richtig auf die Beine zu kommen. Unser Hostelzimmer wird zu unserer großzügigen Zuflucht für mehrere Tage – die Verlägerung war also nicht ganz freiwillig. Aber immerhin hat’s die paar Tage auch nur geregnet.

Bei all der Bettruhe können wir jedoch auch viel Zeit in weitere Planung stecken und entscheiden uns schließlich für eine neue Insel, die nun Erholung verspricht und in vielen Berichten als lässiger Ort abseits der Tourismusströme beschrieben wird. Vielleicht finden wir dort unser Strand- und Dschungelparadies und können wieder in die richtige Thai Kultur eintauchen. Wir stehen wieder auf unseren Beinen und springen ins Shuttle, welches uns zum Pier bringt.

Auf Phuket haben wir unser Paradies nicht gefunden – aber wir geben nicht auf, es zu suchen.

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