Nordthailand – Faszination Natur

Der Norden Thailands – Berge, Reisfelder, Elefanten, Urwald und Menschen, die uns ein ganz besonderes Gesicht dieses Landes zeigen sollten. Orte, von denen wir gehört haben und die wir fast verpasst hätten.

„Wir müssen nicht nach Pai fahren. Lass uns einfach direkt auf die Inseln fliegen, das ist okay.“ Ich bin froh, dass Jan das sagt. Auch wenn ich weiß, dass ihn gerade die Berge und die Natur besonders reizen und obwohl ich selbst darauf bisher große Lust hatte. Wir sitzen in unserem Hostelzimmer in Chiang Mai, liebevoll die Gefängniszelle genannt, da es kein Fenster hat. Ich starre resigniert auf die Wettervorhersage für Nordthailand: Jeden Tag Regen und Gewitter. Gedankenverloren kratze ich an meinen Mückenstichen, die mich bereits in den Wahnsinn getrieben haben.

Pai, ein kleines Hippiedorf nördlich von Chiang Mai, soll sehr schön sein. Wir haben viele Berichte gelesen und man kann viel machen. Aber mich zieht es so sehr ans Meer – in die Sonne – und Mücken gibt es da oben sicher noch mehr. „Ach komm, lass es uns einfach tun, was soll`s. Falls es wirklich nur regnet machen wir uns trotzdem eine schöne Zeit.“, sage ich auf der Suche nach meinem Optimismus – wir klicken auf Buchen.

Als wir aus dem Minibus steigen, schwanken wir ein wenig. In den letzten drei Stunden sind wir 726 Kurven bergauf und wieder -ab gefahren.

Wir stehen mitten in den kleinen Straßen von Pai und die Sonne brennt auf unserer Haut. Wir nehmen ein Taxi zum Backpackers Paradise, wo wir ein gemütliches Cottage gebucht haben. Das Gelände ist groß, ruhig, romantisch verwildert und von Bergen umgeben – mittendrin steht ein Pferd. Wir lächeln uns an – der Ort scheint zu halten, was der Name verspricht.

In der Innenstadt leihen wir uns einen Roller für umgerechnet 5 Euro am Tag – inklusive Versicherung versteht sich. Wir cruisen einfach los und schauen uns die Gegend an.In diesem kleinen Ort fahren alle Menschen Roller…manchmal auch die ganze Familie auf einem. Wir genießen den Fahrtwind (es ist ein bisschen wie früher, als wir uns kennengelernt haben und zwischen unseren Dörfern hin und her gefahren sind) und die atemberaubende Natur. Ringsum Berge, Obstplantagen, Reisfelder – und über allem wacht der große weiße Buddha Wat Phra That Mae Yen.

Auch Tag neun der Weltreise beginnen wir auf dem Roller. Und auch heute scheint die Sonne – damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Gut gelaunt fahren wir zuerst zum Land Split. Wie der Name schon sagt, einer Landspalte.  Dieser Mini-Canyon durchzieht eine große Obstplantage. Es haben sich mehrmals große Risse im Boden aufgetan, die man nun durch einen kleinen Dschungelpfad erreichen und anschauen kann. Oben hat man eine großartige Aussicht – alles ist voll mit Pflanzen in tausenden Grüntönen. Um den Land Split herum wird Obst, Gemüse, Kaffee und Wein angebaut. Als wir wieder am Eingang stehen, fragt uns der Besitzer, ob wir seine Ernte verkosten wollen. Klar wollen wir!

Statt zwei Bananen und `nem Saft, mit denen wir gerechnet haben, bekommen wir viele verschiedene Leckereien aufgetischt. Frische und getrocknete Bananen sind dabei, aber auch Marmelade, Kartoffeln, Tamarind, Erdnüsse, Saft und Wein. Glücklich, vollgegessen und mit einer Flasche Wein im Gepäck düsen wir weiter. Was für ein großartiger Ort!

„Sicher, dass wir da hochkommen?“ Nachdem uns an einem nahegelegenen Wasserfall zu viele Touristen waren, wollen wir den Berg etwas weiter hochfahren, um zu schauen was noch kommt. Es ist so steil, dass ich die ersten Meter hinter`m Roller herlaufe…aber dann fahren wir weiter. Wir erreichen Reisfelder und betreten eine Bambusbrücke, die darüber führt. Es knartscht und wackelt ein bisschen, direkt unter uns steht das Wasser mit den Reispflanzen. Wir laufen die Brücke entlang und kommen nicht aus dem Staunen. „Genau so habe ich mir den Norden von Thailand vorgestellt“, sagt Jan. Alles ist knallgrün und umgeben von noch mehr grünem Wald und von Bergen. Mittendrin stehen kleine Holzhütten auf Pfeilern. Der Ausblick ist beeindruckend – und auch, was man alles aus Bambus bauen kann.

ricefield_pai

Wir schlendern durch die Walking Street von Pai, die sich jetzt gegen Abend in eine Streetfood-Meile verwandelt. Die kleinen Restaurants, Bars und Cafés sind gut besucht. In den Lädchen gibt es ganz verschiedenes zu kaufen, vieles ist handgemacht. Hier verkaufen Künstler und Handwerker ihre Werke und auch an den Essensständen zeigt jeder, was er kann. Wir probieren uns durch – Grillspieße, Teigtaschen, frittierte Bananen mit Nutella und selbstgemachtes Eis. Alles, was man sich so wünschen kann. Und immer noch kein Regen.

Und schon sitzen wir wieder im Bus, diesmal fahren wir die 726 Kurven zurück. „Man gut, dass wir nach Pai gefahren sind!“. Dieser Ort ist wirklich traumhaft und die Zeit dort hat unsere Erwartungen eindeutig übertroffen. Wir wären wahrscheinlich traurig zu fahren…wenn wir nicht wüssten, was als nächstes kommt…

mountain_pai

Wir fallen in unser knallgrünes Bett im Thailand Guesthouse. Gut, dass wir diesmal nicht die Gefängniszelle gebucht haben. Wir schlendern den Rest des Tages durch die Altstadt von Chiang Mai und Vorfreude auf morgen macht sich breit.

Wieder sitzen wir im Minibus. Alle starren auf einen Bildschirm vorn, den unser Tourguide heruntergeklappt hat. Es läuft ein Film über den Elephant Nature Park, eine Auffangstation für missbrauchte und misshandelte Elefanten (bzw. die dahinter stehende Saveelephantfoundation). Die Tiere, die zum Reiten, für Shows und zu Arbeitszwecken trainiert und benutzt wurden, können hier den Rest ihres Lebens in Ruhe und in der Natur in einer Herde verbringen. Der Film zeigt, wie Elefanten schon als Babies von ihren Eltern getrennt werden, um ihren Willen zu brechen und sie zu allen möglichen menschlichen Zwecken, sei es Arbeitserleichterung oder Vergnügen, einzusetzen. Mit Gewalt, Seilen, Nägeln und Werkzeugen werden die Elefanten verletzt und zu ihren Tätigkeiten gezwungen. Solange, bis es toll und niedlich aussieht und Menschen viel Geld dafür bezahlen, sich die Elefantenshow anzusehen oder auf einem Elefantenrücken zu reiten. Dieser Missbrauch findet noch immer statt. Es wird dazu aufgerufen, solche Aktivitäten nicht zu unterstützen und Elefanten wenn dann auf natürlichem Wege bei Einrichtungen kennenzulernen, die sie mit Respekt und liebevoll behandeln. Wir fahren zu einer Organisation, die bis vor Kurzem Elefatenreiten angeboten hat. Die Leitung des Elephant Nature Park hat sich dagegen entschieden, die Elefanten aufzukaufen, da die Lösung wenig nachhaltig wäre. Von dem Erlös würden neue Elefanten gekauft werden und an der Praxis würde sich nichts ändern. Mit dem Ziel, das Mindset und den gesamten Umgang mit den Tieren zu ändern, ist eine Kooperation entstanden. Es wird eine stabile Besucherzahl zugesichert, dafür werden nur Aktivitäten angeboten, die den Elefanten guttun bzw. die keinen Stress auslösen.

Wir stehen vor einem Zaun und warten, um uns herum Eimer mit Bananen. Vier Elefanten kommen um die Ecke, begleitet von sogenannten Mahouts. Ursprünglich waren diese Elefantentrainer dafür eingesetzt die Tiere gefügig zu machen, damit die Touristen reiten konnten. Nun sprechen sie nur mit ihnen. Die Elefanten sind majestätisch. Sie wirken sehr ruhig und gelassen, trotzdem ist jede Bewegung eindrucksvoll. Wir füttern sie mit Bananen, geben ihnen die Früchte in den Rüssel. Die vier Elefantendamen gehen danach mit uns spazieren und naschen dabei Zuckerrohr aus unseren Beuteln.  Allein neben den riesigen Tieren her zu laufen ist aufregend. Wenn man plötzlich zwischen zweien steht, wird man nervös, beobachtet man sie von der Seite ist man ehrfurchtsvoll. Der Rückweg führt durch den Fluss, der kleinste Elefant wälzt sich direkt im kühlen Wasser.

Nach einer Pause geht es mit allen gleichzeitig in die Matschgrube. Wir reiben die vier Damen mit Schlamm ein – und sie sprühen ihn frech durch ihre Rüssel in alle Richtungen. Ganz in Braun nehmen wir danach ein Bad. Inzwischen fühlen wir uns sicherer in der Umgebung der großen Tiere und ich glaube auch sie haben etwas Vertrauen gefasst. Wir trauen uns, sie ruhiger zu streicheln und entspannt zu planschen.

elephantbath_chiangmaiDieser Tag war etwas ganz besonderes. Wir haben uns riesig auf die Tour mit den Elefanten gefreut und ja, hier wären wir auf jeden Fall gern noch geblieben. Die Begegnung mit den Tieren war genauso nah und faszinierend, wie wir es uns vorgestellt haben. Aber der Tag war auch lehrreich. Und auch, wenn das Projekt und die Organisation durch unseren Besuch unterstützt werden und ich ihre Vision großartig finde, hallt in meinem Kopf nach wie schlimm es ist, dass so etwas notwendig ist. Und auch, dass es für jeden Elefanten wohl noch entspannter wäre, einfach in freier Wildbahn zu sein. Trotzdem bin ich dankbar für das Erlebnis und die Arbeit, die Menschen in positive Zwecke wie diesen investieren.

Der Norden von Thailand – eine Region, die mit ihrer Schönheit verzaubert. Fast magische Orte und Menschen, die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Erlebnisse, die für immer unvergesslich bleiben werden und Erzählungen, die zum Nachdenken anregen.

Abends sehen wir uns die Videos vom heutigen Tag an. Besser kann es hier oben nicht mehr werden – also machen wir uns wieder auf. Noch einmal schlafen, denn morgen früh um sechs geht es zum Flughafen. Die Inseln rufen!

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